Ringvorlesung in Hamburg: „Rechtsextremismus und Rassismus in Deutschland“ – mit einem Eröffnungsvortrag von Micha Brumlik

janne GrotemainLeave a Comment

Ringvorlesung-Poster-2015
Im Februar startet die öffentliche Vorlesungsreihe „Rechtsextremismus und Rassismus in Deutschland” an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg, die Ellen gemeinsam mit dem „Arbeitskreis Interkulturelle Bildung” organisiert hat. In sechs Veranstaltungen werden hier erneut rechte und rassistische Tendenzen sowie Präventionsmöglichkeiten in Deutschland beleuchtet. Die Ringvorlesung eröffnen wird am 3. Februar Prof. Micha Brumlik, der in seinem Vortrag neue und alte Erscheinungsformen von Antisemitismus im Kontext der „Proteste gegen Israels Kriegführung gegen Gaza“ beleuchten wird. Ein weiterer Fokus der Vorträge liegt auf institutionellen Formen des Rassismus, wobei unter anderem ein Zwischenfazit zur Aufarbeitung der NSU-Morde im Münchener Gerichtsprozess sowie in den Untersuchungsausschüssen gezogen wird sowie die Bedeutung von politischer Bildung und Interventionsmöglichkeiten  im Kontext von Alltagsrassismus und Rechtspopulismus besprochen werden.

Flyer-Text: „Die Aufarbeitung der Mordserie des ‚Nationalsozialistischen Untergrundes‘ (NSU) und ihrer Begleitumstände hatRingvorlesung-Poster-2015-2 in Deutschland breite Aufmerksamkeit für rechtsextreme und rechtsterroristische Tendenzen geweckt. Die im Münchener Gerichtsprozess und in den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen ans Licht gebrachten Ermittlungspannen und strukturellen Missstände in staatlichen Behörden haben Dis- kussionen über institutionelle Diskriminierung (z.B. bei Polizei und Sicherheitsbehörden, im Bildungs- und Beschäftigungssystem) intensiviert. Zwar gibt es politische und zivilgesellschaftliche Bestrebungen, Rassismus und anderen Formen der Diskriminierung entschiedener entgegenzutreten. Zugleich werden ge- genwärtig schwer überschaubare alte und neue rassistische, antisemitische, antimuslimische, rechtspopulistische und rechtsextreme Orientierungen sichtbar, die sich vielfach als ‘Bürgerbewegung’ artikulieren. Diese stehen im Kontext der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise, der Erosion staatlicher und zivilgesellschaftlicher Strukturen und der durch (Bürger-)Kriege ausgelösten weltweiten Fluchtbewegungen.

In der Veranstaltungsreihe werden zunächst neue und alte Erscheinungsformen von Antisemitismus im Kontext der Proteste gegen Israels Kriegführung gegen Gaza beleuchtet und Strategien und Einflusssphären der Neuen Rechten untersucht. Mit einem Fokus auf institutionellen Rassismus sollen ferner die bisherige Aufarbeitung der NSU-Morde sowie die Auswirkungen des NSU auf die Migrationsgesellschaft bilanziert werden. Die Perspektiven und Möglichkeiten politischer Bildung im Kontext von rassistischen und rechtsextremen Tendenzen werden generell wie auch speziell im Hinblick auf Mitarbeitende in staatlichen Institutionen (z.B. Polizei, Bundeswehr) aufgezeigt.“

Alle Interessierten sind zu dieser öffentlichen Veranstaltungsreihe herzlich eingeladen! Die Vorträge finden monatlich jeweils dienstags, von 18.15 Uhr bis 19.45 Uhr an der Helmut-Schmidt-Universität statt. Weitere Informationen zum Veranstaltungsort und den ReferentInnen gibt es hier.

Zum Eröffnungsvortrag: „Neuer und alter Antisemitismus in Deutschland“

Micha Brumlik ist emeritierter Professor für Erziehungswissenschaft an der Goethe-Universität Frankfurt/M. und Publizist. Seine Arbeitsschwerpunkte umfassen neben Erziehungs- und Bildungsfragen (religions)philosophische und gesellschaftspolitische Themen. Von 2000 bis 2005 leitete Micha Brumlik das Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt/M., ein Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. Seit Oktober 2013 ist er Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg. Micha Brumlik ist zudem als Gastautor diverser Zeitungen tätig und gibt die „Blätter für deutsche und internationale Politik“ mit heraus.

Ringvorlesung-Poster-2015-BrumlikInhalt des Vortrags: „Proteste gegen Israels Kriegführung gegen Gaza nahmen im Sommer 2014 deutlich antisemitische Formen an. Seither wird immer wieder diskutiert, wo die sogenannte ‘Israelkritik’ aufhört und Antisemitismus beginnt. Nach einem Exkurs zur Geschichte des Antisemitismus soll die These erhärtet werden, dass der klassische Judenhass ausgedient hat und an seiner Stelle die „Israelkritik“ steht. Gibt es Kriterien, die sachlich zutreffende Kritik an der Politik israelischer Regierungen von ressentimentgeladener Wut auf Israel, jenen ‘Juden unter den Staaten’ (Leon Poliakov) unterscheiden?“

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