Ausschreibung: Konzeption und Durchführung von Schulungen zu Antidiskriminierung und Diversitätssensibilisierung im BAMF

janne Grotemain

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Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sucht einen Träger oder eine Bietergemeinschaft, die eine neue Schulung zu Antidiskriminierung und Diversitätssensibilisierung konzipieren und durchführen. Die Ausschreibung hat Janne gemeinsam mit Kolleg_innen (u. a. Saliha Kubilay, Florian Knape und dem BAMF-Qualifizierungszentrum) sowie inhaltlicher Beratung von Ellen nach mehrjähriger Vorlaufzeit auf den Weg bringen können. Die Träger bzw. Bietergemeinschaft soll (1.) ein Konzept für die neue Schulung erstellen, (2.) diese Schulung über zwei Jahre (mit der Option auf weitere vier Jahre) im BAMF durchführen und (3.) Trainer_innen innerhalb der BAMF-Belegschaft ausbilden. Im Zentrum der Schulung sollen u.a. die Sensibilisierung für individuelle sowie institutionelle Formen von Diskriminierung und Rassismus stehen. Mehrere Tausend Mitarbeitende sollen so über die kommenden Jahre darin gestärkt werden, den migrationsgesellschaftlichen Herausforderungen zu begegnen. Bewerbungsfrist ist der 25. Januar 2018. Die Links zu den Ausschreibungsunterlagen finden sich am Ende des Beitrags.
Hintergrund

Das Bundesamt hat seit Mitte 2015 einen starken Personalaufbau erlebt. Mehrere Tausend neue Mitarbeitende sind hinzugekommen. Diese besuchen regelmäßig Fortbildungen. Bislang gehörte zum obligatorischen Fortbildungsprogramm eine interkulturelle Schulung, die viele Jahre durch hausinterne Trainer_innen durchgeführt wurde. Aufgrund des hohen Arbeitsaufkommens wurde sie zwischenzeitlich ausgesetzt. Darüber hinaus sind die Inhalte der interkulturellen Schulung überholt und nicht an die aktuellen Herausforderungen der Mitarbeitenden angepasst. Daher ist es nötig, dieses Seminar neu ausgerichtet als ein Seminar zur Diversitätssensibilisierung und Antidiskriminierung anzubieten sowie hausinterne Trainer_innen aus- und weiterzubilden.

Das BAMF ist seit 2007 unter den Unterzeichnenden der Charta der Vielfalt und hat sich verpflichtet, Diversity Management als Gesamtstrategie innerhalb der Organisationsstrukturen sowie bei der Personalgewinnung/-qualifizierung anzuwenden. Hierzu gehört auch die Qualifizierung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden. Sie kommen auf vielfältigen Ebenen mit Neuzugewanderten, Asylsuchenden, anerkannten Geflüchteten sowie mit den nachfolgenden Generationen der ersten Einwandergenerationen in Kontakt. Zudem bildet die Belegschaft des Bundesamts immer mehr die bestehende gesellschaftliche Diversität ab (u. a. in Bezug auf geschlechtsspezifische, migrations- und religionsbezogene Hintergründe). Darüber hinaus bekommt auch das Bundesamt auf vielfältige Weise die gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen zu spüren, die sich aus vorurteilsbehafteten, pauschal gruppenbezogenen und auch rassistisch motivierten Ablehnungen, Abwertungen und Anfeindungen gegenüber Asylsuchenden, Migrant_innen, Muslim_innen sowie weiteren Gesellschaftsgruppen ergeben.

Die zu konzipierenden Seminare sollen diese Ebenen reflektieren und einen differenzierten Blick befördern. Ziel soll es sein, sowohl für die jeweiligen Tätigkeiten im Bundesamt, für das Miteinander im Kollegium als auch in der Außenwirkung des Bundesamts zu einer verstärkten Diversitätssensibilität sowie zur Verringerung von individuellen und institutionellen Diskriminierungsformen beizutragen. (Auszüge aus der Leistungsbeschreibung, s. unten)

Allgemeine Schulungsziele
  • Diversitätssensible Handlungskompetenzen entwickeln. Welche Vorteile bringt Diversitätssensibilität? Was ist überhaupt Diversität und entlang welcher Differenzkategorien macht sie sich fest (z. B. soziale Stellung/Beruf, sexuelle Orientierung, Gender, Alter, nationale, ethnische und kulturelle Zuschreibungen, Religion, Einkommen, körperliche und geistige Facetten, Wohnort etc.)? Wann ist es sinnvoll und wichtig z. B. kulturelle Unterschiede zu benennen bzw. kultursensibel zu handeln und wo verläuft die Grenze zu Pauschalisierungen, Kulturalisierungen, Stigmatisierungen, Vorurteilen, Stereotypen, Defizitorientierung und Exotisierungen? Welche Handlungsmöglichkeiten und Alternativen gibt es?
  • Erkennen von individuellen sowie institutionellen Diskriminierungen: Was ist Diskriminierung und was ist Rassismus? Wie und in welchen Lebenssituationen finden sie Ausdruck (aktuelle und auch subtile Erscheinungsformen)? Wie wirken einzelne Diskriminierungsebenen zusammen und welche Auswirkungen haben sie und was kann jede/r Einzelne tun?
  • Anti-Bias-Ansatz
  • Privilegiensensibilisierung: Reflexion der individuellen und gruppenbezogenen Position in der Gesellschaft und der sich daraus ergebenden unterschiedlichen situativen, strukturellen und gesellschaftlichen Machtpositionen
  • Leben in der Migrationsgesellschaft Deutschland: Differenzierung zwischen Neuzuwanderern, lang ansässiger erster Generationen und hier in Deutschland geborenen Folgegenerationen; Mehrfachidentitäten, Freiwilligkeit der Migration gegenüber Fluchtnotwendigkeit
  • Zwischen Inklusion, Integration und Assimilation: Institutioneller Umgang mit Vielfalt und Differenz; welche Ansätze gibt es?
  • Reflexion der negativen Fremdzuschreibungen auf die Arbeit im Bundesamt: Von ‚Flüchtlingshelfern’ und ‚Gutmenschen’ bis zur ‚Abschiebebehörde’.

Generell gilt: die Lerninhalte sollten sich an der Lebensrealität der Mitarbeitenden orientieren und zwischen Wissenschaft und Praxis vermitteln.

Zusätzlicher Fokus für die Schulung der Mitarbeitenden in den Außenstandorten
  • Besonderer Fokus auf Erstkontakt mit Asylsuchenden aus verschiedenen Ländern sowie dem „Erzählen über“ die gemachten Erfahrungen im Kollegenkreis sowie außerhalb des Bundesamts
  • Die Schulung muss sehr konkret an der Arbeitssituation vor Ort ausgerichtet sein und idealerweise konkrete Situationen aufgreifen, sowie konkrete Handlungsoptionen für den Arbeitsalltag vermitteln, um größtmögliche Akzeptanz unter der Belegschaft zu erlangen.
Zusätzlicher Fokus für die Schulung der Mitarbeitenden in der Zentrale
  • Diversitätssensible Handlungskompetenz für die Kommunikation nach außen entwickeln.
Zusätzlicher Fokus für die Schulung der Leitungsebene
  • Welche Rolle spielt Diversity bei Personalentscheidungen?
  • Interventionsstrategien bei Konflikten in der Belegschaft im Zusammenhang von Interkulturalität und Diskriminierung,
  • Bedeutung der Vorbildfunktion der Leitungsebene und Diskussion über unterschiedliche Ansätze der diversitätssensiblen und antidiskriminierenden Organisations- und Personalentwicklung,
  • Möglichkeiten, Diversitätsbewusstsein und Antidiskriminierung in den Arbeitsalltag einzubauen,
  • Verantwortung bei der Repräsentanz nach innen und außen sowie Reflexion von individuellen und institutionellen Formen der Diskriminierung

Weitergehende Informationen zu den gewünschten Schulungsmethoden und den Bedingungen finden sich in der Leistungsbeschreibung. Ein grober Leistungsbeschreibung gibt einen Anhaltspunkt zum Umfang und dem möglichen Ablauf der Schulungen.

Aufgrund des Umfangs des Auftrags handelt sich um eine EU-weite Ausschreibung, die sich über diesen Link findet. Die einzelnen Ausschreibungsunterlagen finden sich wiederum hier.

Der Träger bzw. die Bietergemeinschaft sollten Vorerfahrungen in Verwaltungsschulungen und Organisationsentwicklung in den genannten Themenfeldern mitbringen. Gefordert sind Fingerspitzengefühl, Ernsthaftigkeit für und Kreativität in der Sache sowie ein langer Atem.

Die Ausschreibung kann gerne an alle potentiell Interessierten weitergeleitet werden! Danke für eure/Ihre Unterstützung!