Tagungsdokumentation: AfrikaBilder – über Afrika-Diskurse und AlltagsRassismen in Deutschland

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Tagung_Bremen_Afrikabilder
Am 2. Juni 2012 haben Dr. Margrit E. Kaufmann, Maike Koschorreck und Janne eine ganztägige, öffentliche Veranstaltung zum Thema „AlltagsRassismus und Weißseinsreflexion“ im Rahmen der Bremer Tagungsreihe „Afrikabilder: Zum Afrika-Diskurs in deutschen Medien und zum AlltagsRassismus in Deutschland“ organisiert. Die Tagungs-Planung stand im Zeichen zahlreicher Fragen, die die OrganisatorInnen auch in ihrer täglichen Arbeit und Auseinandersetzung mit dem Thema begleiten: Was haben medial verbreitete AfrikaBilder mit unserem Selbstverständnis als Weiße oder Schwarze zu tun? Was ist unter ‘Rassismus’ zu verstehen und wieso fällt es vielen (Weißen) Menschen schwer, zu erkennen, dass sie rassistische Gedanken hegen und/oder rassistisch handeln? Wenn wir Schwarzsein thematisieren, welche Rolle spielt es dann, Weiß zu sein oder aus einer Weißen Position zu sprechen – wie etwa wir als Organisierende?

In einer aktuellen Broschüre (s. hier) haben sie gemeinsam mit den ReferentInnen und weiteren KooperationspartnerInnen eine Vielzahl der Tagungsbeiträge aufbereitet.

Cover Tagungsdoumentation Afrikabilder

Bei der Konzeption der Veranstaltung als auch der Erstellung der Broschüre waren zahlreiche Fragen leitend: Ist Rassismus ein auf Weiße Menschen begrenzbares Problem? Auf welche historischen Diskurse beziehen sich aktuelle AfrikaBilder und AlltagsRassismen? Welche Bedeutung spielt die weithin fehlende Repräsentation von Schwarzen Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund in den Medien und weiteren Berufsfeldern? Wie wirkt sich dieser Umstand auf die Integrationsdebatte aus? Wie steht es um eine historische, koloniale Schuld der Menschen aus „dem Norden“ gegenüber den Menschen aus „dem Süden“? Wie lassen sich latenter und offener, individueller und struktureller Rassismus abbauen? Auf diese uns leitenden Fragen wollten wir mit Hilfe der öffentlichen Veranstaltung Antworten finden.

Der Tag begann mit zwei Impulsvorträgen:

  • Margrit E. Kaufmann, Ethnologin und Kulturwissenschaftlerin an der Universität Bremen, sprach über „Geschichte(n) und Aktualität von AfrikaBildern und AlltagsRassismus“ (S. 46-49).
  • Susan Arndt, Professorin für Englische Literaturwissenschaft und Anglophone Literaturen an der Universität Bayreuth, gab anschließend einen Überblick zur „Geschichte von Rassismus und zur Verwobenheit heutiger rassistischer Bilder mit historischen Schilderungen und Bebilderungen des vermeintlich Anderen“ (S. 50-53).

Im Anschluss fand eine Podiumsdiskussion zum Thema „AlltagsRassismen, Ausgrenzungserfahrungen und Weißseinsreflexionen – aktuelle Positionen und Ansätze in Praxis und Wissenschaft“ statt. Wir konnten hierfür Allegra Tekleab, Leiterin der Koordinierungsstelle Integration der Stadt Elmshorn, Rahime Diallo, Verantwortlicher des EU-geförderten Projekts „European Wide African Diaspora Platform for Development“, Lawrence Oduro-Sapong, Trainer und Experte für Fragen zur interkulturellen und Diversity-Kompetenz, zu Konfliktmanagement und Weißseinsreflexion, sowie Susan Arndt (s.o.) für die Diskussion gewinnen. Die Moderation übernahm Libuse Cerna, stellvertretende Redaktionsleiterin von Funkhaus Europa und Radio Bremen sowie erste Vorsitzende des Bremer Rats für Integration.

Nach der Podiumsdiskussion fanden drei mehrstündige Workshops statt, die von professionellen Trainerinnen und Trainern angeleitet wurden. Zum dritten Workshop findet sich in der Dokumentation ein eigener Beitrag (s.u.).

  • So leitete Lawrence Oduro-Sapong den Workshop „AfrikaBilder und Weißseinsreflexion“. Der Workshop bot „die Möglichkeit, sich von der durch ‘Privilegien bedingten Verweichlichung’ nach Noah Sow zu befreien“ und „sich fortlaufend mit Begriffen auseinanderzusetzen, die eine sehr wichtige Rolle im Unterdrückungssystem der Weißen Welt bilden, und die es zu enthüllen gilt“.
  • Im zweiten Workshop „Brücken bauen“ – angeleitet von Dr. Sénouvo Agbota Zinsou – wurde improvisierend und schreibend ein kleines Theaterstück eingespielt. Zinsou ist Autor und Dozent an der Universität Bayreuth sowie Gründer und Leiter des Internationalen Atelier-Theaters Bayreuth. Er erhielt zweimal den Grand Prix du Théatre Africain.
  • Der dritte Workshop befasste sich mit „Diskriminierung in Schulen“ und wurde von Sally Mary Riedel und Laya Zoroofchi, zwei Antidiskriminierungstrainerinnen des YES-Projekts von verikom – Verbund für interkulturelle Kommunikation und Bildung e. V. – in Hamburg angeleitet. Ziel des Trainings war es, durch Fallbeispielbearbeitung Diskriminierung(-sstrukturen) im Alltag zu erkennen und zu benennen. (S. 61-63)

Ein Video der am Donnerstag im Rahmen der Tagungsreihe aufgeführten Performance von „Schwarzen und Weißen, deutschen, nicht-deutschen und auch-deutschen Studierenden“ zum Thema „Schwarz / weiß. Eigenartig / fremd.“ (S. 59-60) sowie ein Film von Peter Heller und Diane Bonnelame (1983), in dem die Ethnologin Bonnelame Aspekte Weißen Lebens in Deutschland erforscht, markierten die offiziellen Schlusspunkte des Tages. In der Tagungs-Dokumentation findet sich zudem ein lesenswerter Beitrag von Elisabeth Dulko, Studentin im Master-Studiengang Transkulturelle Studien an der Universität Bremen, mit dem Titel: „Darf ich das denn sagen? – Ich will ja nicht rassistisch rüberkommen. Eine Debatte über political correctness und das Sprechen über ‘Andere’.“ (S. 65-72)

Die Dokumentation kann über den folgenden Link heruntergeladen werden: Dokumentation: AfrikaBilder und AlltagsRassismus (pdf-Download)

Tagungsdoumentation Afrikabilder

Der Tag wäre in seinem umfassenden Programm nicht ohne die finanzielle und organisatorische Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung, der Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS), dem Fachbereich 9 – Kulturwissenschaften, dem Bremer Institut für Kulturforschung sowie ARBEIT UND LEBEN Bremen möglich gewesen. Hierfür einen herzlich Dank!

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2 Comments on “Tagungsdokumentation: AfrikaBilder – über Afrika-Diskurse und AlltagsRassismen in Deutschland”

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